Tramway.at Modellbau Waggons ÖBB-Leichtbauwagen


Die ÖBB-Leichtbauwagen von Memoba/ACME

Mitte der 1950er Jahre ließ die ÖBB 60 Mitteleinstiegswagen konstruieren, die hinter Elektroloks im Städteverkehr eingesetzt wurden. Hinter Dampfloks liefen sie kaum, da sie von diesen nicht beheizt werden konnten. Sie verkehrten vor allem im Westen Österreichs, außerdem lösten sie die zu schwerfälligen Triebwagen auf der Südbahn über den Semmering ab, bevor sie von den 4010ern verdrängt wurden. Die Bezeichnung war anfangs B4ipüho (= 2.Klasse, 4 Achsen, Großraumwagen, Energieversorgung über Achsgeneratoren, keine Dampfheizung, das "ü" ist mir unklar).

Die Modelle wurden in den Foren zeitweise kritisiert, weil die Fenster- und Dachform nicht präzise getroffen sein; das kann ich nicht beurteilen, mir gefallen die Wagen so wie sie sind. Allerdings ist der Kuppelabstand zu groß, der NEM-Schacht ist falsch positioniert.

Eine ganze Weile zogen die drei Wagen still ihre Kreise auf meiner Anlage. Bei einer Fahrt hat sich dann die Kinematik eines Wagens verkeilt, und ich musste ihn öffnen, um das zu beheben. Dabei dachte ich, "Wenn ich den Wagen grad offen hab, könnte ich ja gleich eine Beleuchtung einbauen, und wenn ich grad dabei bin, kann ich das bei den beiden anderen auch machen." Fazit vorab: wenn es euch nicht wirklich wichtig ist, lasst es bleiben. Die Wagen sind so bastelfeindlich konstruiert, dass es weh tut.

Bei der Recherche habe ich diesen Beitrag eines Kollegen aus dem Kleinbahnsammlerforum gefunden - er beschreibt die Schwierigkeiten beim öffnen des Wagens, und er hatte leider recht. Wer sich das ganze trotzdem antun will, hier meine kleine Anleitung.

Öffnen: Mit einem Schraubenzieher in die Seitenwände reinfahren, sinnvollerweise zwischen den Fenstern, um sie nicht zu zerkratzen. Die Fenster mit aufspreizen, Polystyrolstreiferln zwischen Wagenboden und Wand/Fenster einschieben. Gleich sechs Rastnasen verteidigen den Wagen gegen Eindringlinge! Das Material hält einiges aus, man kann herzhaft zugreifen. Zuletzt vom Wagenende her mit einem Schraubenzieher den Boden raushebeln. Das Dach ist übrigens mit dem Wagenkasten zusammen gegossen und nicht trennbar, zum lackieren lässt sich das aber sehr leicht sauber abkleben.

Dann die Inneneinrichtung: Sie muss demontiert werden, um die Kabel durchzuführen. Allerdings sitzt sie so bummfest in ihren Rastungen, dass ich mich entschlossen habe, sie abzuschneiden. Keine Angst, hält nachher genausogut, sie aus den Rasten rauszuhebeln ist fast chancenlos, dauert ewig und am Schluss steckt der Schraubenzieher im Daumen. Also: Mit der Trennscheibe amputieren.

"Die Wagen sind für die Innenbeleuchtung vorbereitet" - Haha, Scherzerl. Die Bleche in den Drehgestellen sind weniger leitfähig als der Besitzer leidensfähig, sprich: alles angeschlossen, alles finster. Ich habe dann mit der Litzenwickelmethode Strom besorgt, alles zusammengelötet und hochgeführt. Im Wagenboden ist ein Loch vorgesehen, leider irgendwo, nur nicht dort wo es sinnvoll wäre. Die weitere Führung nach oben muss man selbst organisieren, ich hab das wie üblich durchs Klo gemacht. Die Lichtleiste hab ich mit den LEDs nach unten eingebaut, indirekt nach oben (wie ich es gerne mache, um das Licht gleichmäßig zu streuen) war nicht gut, zu wenig Platz für die Reflexion. Ich belege die grellweißen LEDs mit brauner Folie aus dem Filmzubehör, um den Eindruck der Glühlampenbeleuchtung zu bekommen. Bei der Gelegenheit möchte ich die ESU-Wagenbeleuchtung wärmstens empfehlen, sie kann auch auf lange Adressen programmiert werden (meine Wagen sind in passende Gruppen sortiert und ab 1001 adressiert), man kann mit einer Stellschraube die Helligkeit regulieren, und die separat erhältlichen kleinen Stützbausteine beleuchten den Wagen ca. 20 Sekunden lang, nachdem der Strom abgedreht ist - so lang ist kein Schmutzfleck am Gleis!

Ein paar Figuren bewohnen den Zug, ich hab irgendwann billige Chinafiguren gekauft (grotesk gefärbte Abgüsse von Preiserfiguren!), die hab ich per grauer Sprayfarbe entbuntet, im Wagen sind graue Schemen besser als zu detailliert bemalte Passagiere (meine Meinung). Die Wageninnenwände habe ich ich diesem Fall dunkelgrün belassen und nicht beige/braun bemalt, so passt mir der Gesamteindruck recht gut. Schade, dass das Licht durch und um die die Fensterrahmen leuchtet, aber das könnte man wohl nur durch Neusilber-Ätzteile auf selbstgefrästen Fensterscheiben verhindern - das mach ich dann im übernächsten Leben.

Insgesamt machen sich die Wagen recht gut, sie werden bei mir gemischt mit anderen Bauarten im "Inlandsreisezugdienst" eingesetzt.

Alle Fotos zum Baubericht mit paar zusätzlichen Informationen


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