Paris: ZAC Boulogne-Billancourt



Das Entwicklungsgebiet Ile Seguin/Rives de Seine liegt in Billancourt südwestlich von Paris. Teil des Projekts ist die ehemalige Renault-Insel in der Seine, die bis in die 1990er Jahre vollständig mit einer riesigen Autofabrik bebaut war; eine dystopische Struktur, unzugänglich für den Normalbürger.

Historische Fotos der Renault-Fabrik

Am "Festland" ging diese Agglomeration von Industriestrukturen weiter, bis - ein nationaler Schock - der Standort komplett geschlossen wurde. Das letzte für Renault neu gebaute Objekt, das von Claude Vasconi 1981-1984 errichtete "Atelier 57 Metal", ist gleichzeitig das einzige, das nicht vom Abbruch betroffen war. Nordwestlich schließt das Areal an eine Neubausiedlung der 1970er an; die Gebäude haben ihren Reiz, auch wenn der Stil heute aus der Mode ist: Das damals so typische Konzept von Versorgungsstrukturen in einem Sockelbauwerk und darauf stehenden Wohnblocks führt leider immer zu unübersichtlichen Wegen und Sackgassen für die Fußgänger, sowie zu hohen Stiegen zur Überwindung der ca 10 Meter Höhenunterschied.

Heute baut man wieder klassisch auf Bodenniveau, mit normalen Straßenräumen, halbprivaten Innenhöfen und Geschäften in der Erdgeschoßzone. Die (kommerzielle) Landmark des Gebietes, der Horizons Tower, wurde schon 2006-2011 von Jean Nouvel errichtet (Foto rechts).

Auf der Ile Seguin selbst ist eine neue Konzerthalle entstanden, auch hier folgt man dem Konzept, Architekturhighlights als Attraktoren in bisher unbesetzte Stadtbrachen zu stellen. Die Konzerthalle trägt einen Hügel auf ihrem Rücken, der wie gewachsen wirkt und von einem Aussichtspunkt gekrönt wird.

Die Struktur des neuen Stadtteils wirkt wie über Jahrzehnte entstanden, das Areal fühlt sich mehr nach "echter Stadt" an als vergleichbare Orte in Wien. Grund ist wohl, dass man die Straßen, die Erdgeschoße so gestaltet hat, dass sie vertraut wirken, und dass die Bepflanzung von Anfang an recht üppig ist, mit großen Bäumen. Was mir auffällt: es macht Spaß, hier spazieren zu gehen; für mich ist das ein wichtiges Zeichen, dass man sich gleich wohl fühlt - es gibt einfach was zu sehen. Viel üppiges Grün, einer Stadt angemessene Straßenquerschnitte, sorgfältig ausgewählte Bodenbeläge, Waasser, immer wieder liebevolle Details bis hin zum klassischen "Cafe am Eck" - alles Dinge, die in den Wiener Entwicklungsgebieten so schmerzhaft vermisst werden.

Wenig attraktiv ist die derzeitige Verkehrsanbindung: Eine geplante Straßenbahnlinie wurde abgesagt, die Metro 9 ist zwar fußläufig zu erreichen, aber relativ weit weg, das Viertel damit zur Kernstadt eher abgelegen.


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Letzte Änderung: 11.12.2017