Straßenbahn in Frankreich - Orleans

Orleans war einer der früheren französischen Betriebe, bereits 2000 wurde eröffnet; die Fahrzeuge (Alstom 301) haben noch Stufen im Wageninneren, sind also nicht durchgehend niederflurig. Der Begriff "Interurban auf Rasengleis" drängt sich bei dem schönen Betrieb fast auf. "Le Tram" führt von "Jules Verne" im Norden über den Vorbahnhof "Aubrais" zum Kopfbahnhof "Orleans" und erschließt daher die beiden Stationen optimal; danach geht es durch die malerische Altstadt und über die alte Loire-Brücke. Reist man von Paris an, kann man also auch Züge nach "Aubrais" nehmen, die nicht in den Kopfbahnhof hineinfahren.

Am stadtseitigen Brückenkopf ist eine interessante Lösung zu sehen: Fahrbahnaufpflasterungen nach "Wiener Modell" - allerdings natürlich wesentlich konsequenter als bei uns: Wegen der unübersichtlichen Platzverhältnisse schließen sich bei Einfahrt eines Zuges Schranken, um den Fußgängern sicheres Zusteigen zu garantieren. Ansonsten wird der Autoverkehr von den Gleisen prinzipiell ferngehalten.

Danach geht es über Rasengleise in Richtung Süden, wobei Geschwindigkeiten bis zu 80 km/h erreicht werden. Kurz vor der Endstation "Hospital de la Source" liegt das Depot.

Sehr schön und zweckmäßig auch die bronzefarbenen Wagen. In den großen Auffangbereichen gibt es sogar Möglichkeiten zum Fahrradtransport. Einige Sitze des "Citadis" sind auf Podesten montiert, unter denen der Antrieb liegt.

2012 wurde eine zweite Tramlinie in West-Ost-Richtung gebaut. Sie kreuzt die erste Linie am Place de Gaulle. Der Umbau war auch Gelegenheit für archäologische Ausgrabungen. Wegen der Führung durch die Rue Jeanne d'Arc und direkt an der Kathedrale vorbei wird die neue Linie B in diesem Bereich per Unterleitung mit Strom versorgt.

Hier entstand ein eleganter aufgeräumter Platz in hoher Qualität. Der dreieckige Platz war vor dem Bau der zweiten Tramwaylinie immer noch vom IV befahren, heute ist der Bereich zum größten Teil Fußgängerzone - und ein Treffpunkt im Zentrum der Stadt. Auch die angrenzende Hauptachse zur Kathedrale wurde von drei IV-Spuren auf eine reduziert.

Das Design der für die Linie bestellten „Citadis 302“ wurde speziell für die „CLEO“ genannte Linie entwickelt: Orléans liegt in der „Cosmetic Valley“ genannten Region, in der viele französische Parfum- und Kosmetikhersteller angesiedelt sind. Mit der Beauftragung von Oliver Echaudemaison, dem Art Director der Marke Guerlain schafft die Stadt ein hochwertiges Ambiente und damit regionale Identität in den Fahrzeugen. Echaudemaison hat zwei harmonische Farbwelten für das Interieur der Wagen geschaffen, „Natural“ mit ruhigen Braun- und Beigetönen, sowie „Trendy“ in frischem Blau und Violett.

Gerade bei der Linie B fällt die hierzulande unvorstellbar sorgfältige Gestaltung (Richez Associes) auf. Der zentrale Bereich der Stadt wurde mit größter Achtsamkeit gestaltet, bis in die kleinsten Details geht die Aufmerksamkeit. Innenstädte als Territorien der Hochwertigkeit - das ist es, was sie von den gesichtslosen Einkaufszentren am Stadtrand unterscheidet. Im Zentrum von Orleans spürt man mit jedem Schritt, was damit gemeint ist.

Bei der Fahrt nach Orleans gibt es noch eine kleine eisenbahntechnische Sehenswürdigkeit: etliche Kilometer weit begleitet die Trasse des "Aerotrains" die Bahnstrecke. Hier probierte man in den 1960er Jahren eine Hochgeschwindigkeitsbahn auf Luftkissen - wie die deutsche Magnetschwebebahn einige Jahrzehnte später ist sie schlussendlich an der Tatsache gescheitert, dass Alternativen zum klassischen Rad/Schiene-System nicht notwendig sind.

Die Fotos entstanden am 25.5.2001, 8.5.2010 und 10.7.2012

Netzplan

Tramway in Orleans (offizielle Seite)

Richez Associes, das Architekturbüro der Linie B

Aerotrain auf Wikipedia


Die Zukunft der Städte, Seite 90

Alle Viennaslide-Bilder zur Tramway von Orleans

Lage in Frankreich

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