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Straßenbahn
Gleisbau
Die Straßenbahn beginnt mit der Schleife unter der Wiener Stadtbahnstation Josefstädterstraße, daran anschließend die Strecke 8 in Richtung Thaliastraße. Dort muss das Vorbild leider verlassen werden, die Vorderfront einer typischen Remise soll dort angedeutet werden. Das Problem der Tramway ist natürlich das Gleissystem, vor allem die Weichen. Etwa 50 Euro pro Swedtram-Weiche ist natürlich etwas heftig.
Hier mal der Plan der ersten Baustufe (anklicken zum vergrößern). Rot die befahrbaren Gleise, grau die angedeuteten; auf die weissen Verbindungen habe ich verzichtet, weniger ist mehr (obwohl ich mich jetzt ein wenig darüber ärgere, je länger man sich mit dem Vorbild beschäftigt, desto mehr stören die nun fehlenden Gleise). Die Schleife ist recht interessant und bot im Original Fahr- und Wendemöglichkeiten in alle Richtungen. Der von mir dargestellte Zustand wurde um 1960 geschaffen und passt daher gut in den Zeitraum, in dem meine ganze Anlage angesiedelt ist. Hier der Plan:
Hier Bilder meines für den Gleisbau nötigen Werkzeugs. Von links: Schraubenzieher, Nadelfeilen, ein kleiner Proxxon-Schleifer mit Trennscheibe, Flammenlötgerät mit Lot und Lötwasser, Kombizangen. Am Bild nicht drauf: Kreissäge zum teilen der Pertinaxplatten und Kapgerät zum ablängen der Schienenprofile. Das Biegegerät für die Gleise borge ich mir nur gelegentlich aus. Das Bild rechts zeigt einige "Basics": Doppelgleis, gebogenes Gleis, zwei funktionslose Weichenattrappen.
Im Vorbild kommt 118 (am Plan) von rechts und wendet gegen den Uhrzeigersinn auf der inneren Schleife; 31/5 kommt von oben, biegt nach links ein, befährt die Schleife ebenfalls und biegt dann wieder hinauf. Im Modell fährt 31/5 mit 2 bis 3 Zügen einfach immer im Kreis, anstatt nach oben auszufahren. Linie 8 passiert das Szenario üblicherweise waagrecht, Linie J senkrecht, allerdings ist das auf meinem Modell nicht möglich.
Dazuerfunden wurde eine Parallelweiche im linken Anlagenteil, um auch große Zweirichtungsfahrzeuge gelegentlich einsetzen zu können. Alles in allem also eine Menge Möglichkeiten, echte Linien mit ihren typischen Zügen darzustellen, wobei die Station und das anschließende Viadukt einen guten Fotohintergrund abgeben.
Was die Gleisgeometrie betrifft, möchte ich mich weitgehend am Wiener Original orientieren - 3 Meter Gleisachsabstand sind typisch, damit sind alle 4 Schienen etwa gleich weit voneinander entfernt. Die drei Meter ermöglichen trotz vorbildgerechte Enge in der Geraden den gelegentlichen Einsatz von breiteren Fahrzeugen für "Probefahrten". Im Original sieht das dann so aus wie ganz rechts...
Damit die breiteren Fahrzeuge auch wenden können, ohne sich um enge Schleifengleise quälen zu müssen, habe ich Parallelweichen eingeplant. Am Bild links sieht man die parallelen Gleise in richtigem Abstand; die genaue Lage habe ich auf einer Pertinaxplatte markiert. Ganz rechts sind die Weichen probehalber aufgelegt. Anders als im Original, wo der gebogene Strang mindestens bis zum Herzstück weitergeht, läuft bei mir das abzweigende Gleis gleich ab Ende des Swedtram-Bauteils gerade; damit ist der Abzweigwinkel etwas flacher und der Bau wesentlich einfacher.
Hier die Weichen und die Zungen. Ich habe sie mal verkehrt in die Weichen eingelegt, um die nötigen Ausschnitte genau feststellen zu können. Nun habe ich die isolierenden Trennfugen in die Kupferschicht gefräst, die Öffnungen ausgeschnitten und die ersten Teile angelötet. Das unsaubere Herzstück muss ich noch nachbearbeiten.
Weiter gehts, alle restlichen Teile sind verlötet, die anschließenden Streckengleise ebenfalls.
Hier die ersten Weichenverbindungen in Großaufnahme. Die Swedtram-Schienen wirken wesentlich wuchtiger als die echten Gleise, allerdings wird das die Pflasterung ein wenig lindern.
Hier die Ausfahrt aus der hinteren Schleife - und die Vereinigungsweiche, die ich ohne Zungen ausgeführt habe, da sie nur stumpf befahren wird. Das Originalbild zeigt dieselbe Weiche beim Vorbild - soviel zu den Proportionen des Modellgleises *seufz* Die Einpflasterung wird es allerdings hoffentlich schlanker wirken lassen.
Hier die Bogenkreuzung der Schleifeneinfahrt (im Plan rechts). Zuerst werden die gebogenen Gleise montiert, danach die Geraden eingepasst. Zuletzt trenne ich die Gleise elektrisch. Die einzelnen Schienen werden in Abhängigkeit zu den Weichen davor polarisiert. Weitere Trennstellen füge ich später ein. Apropos Trennstellen: Ich hab lange gebraucht, um den Kurzschluss zu finden - den die Schrauben auslösen! Die Blechschrauben verbinden zufällig Ober- und Unterseite der Platine und damit die beiden auf der Oberseite getrennten Stromkreise über die Unterseite...
Nun ist auch der rechte Teil der Schleife fertiggestellt, die beiden Weichen sind mit Roco-Unterflurantrieben ausgestattet. Den Stelldraht habe ich verstärkt, die Antriebe mit Klötzchen etwas von der Platte entfernt. Damit ist der Anpressdruck stark genug geworden. In der Mitte ist der Schaltplan zu sehen, bei dem mir die Community geholfen hat: Über drei Tasten werden die Weichen gestellt und die Kreuzungsherzstücke polarisiert. Der Verkabelungsaufwand ist durchaus überraschend, natürlich traten noch einige kleine Kurzschlüsse bei irrtümlich nicht getrennten Fahrschienen auf.
Als nächstes habe ich probeweise eine Kreuzung eingegipst. Ich bin mit dem Bild noch unzufrieden und werde die Sache nochmal überarbeiten müssen. Nach Versuchen mit zufällig vorhandenen Mitteln bin ich auch zum von Fachkreisen empfohlenen Moltofill gekommen, allerdings scheinen sich zwei übereinander liegende Schichten nicht gut zu verbinden.
Nun folgen Versuche, die Pflasterung darzustellen. Einkratzen ist sehr aufwendig und möglicherweise zu grob. Alternativ habe ich die Steine mit Bleistift aufgezeichnet. Wofür ich mich entscheide weiss ich noch nicht, auch die Farbe stimmt noch nicht ganz; ich tendiere zum zeichnen.
Zuletzt noch einige Schnappschüsse vom Straßenbau. Die Gleise werden mit Moltofill bzw Geländebauspachtelmasse bis zur Schienenoberkante eingegipst, danach mit Japanspachtel wieder freigehobelt. Der Arbeitsaufwand ist dabei durchaus nicht zu verachten, detto die Staubentwicklung... Die Weichen werden ganz zuletzt eingegipst, das ist mir noch ein wenig heikel. Die Flecken kommen übrigens von den unterschiedlich gefärbten Moltofillschichten, die durch das schleifen zutage treten.
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© Harald A. Jahn 2006 - www.tramway.at