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Modellbau
Hintergrund
Hinterhöfe
Eine Reihe von Hinterhöfen bildet die abschließende Kulisse hinter der Bahnstrecke. Typisch für Wien sind Häuser wie hier gezeigt. Das Haus in der Mitte ist ein passendes und typisches Vorbild. Anstelle des Parkplatzes wird bei mir die Bahn an den Häusern vorbeidonnern.
Zuerst zeichnete ich einige Skizzen der ganzen Hinterhofabfolge. Neben Feuermauern sollte man auch Fabriken und einen typischen Wiener Gemeindebau sehen. Das ganze sollte möglichst trist und homogen, trotzdem abwechslungsreich und typisch wienerisch wirken. Ausserdem wollte ich von Feuermauern (Rückseite von Häusern) zu Schaufassaden im linken Teil der Anlage kommen, dieser "Wechsel" erfolgt nun mit dem Gemeindenbau.
Das erste Haus entstand 2003 zur Probe in Architekturmodellbautechnik aus 3mm-Plexiglas, genau im Masstab 1:87. Hier wollte ich vor allem ausprobieren, welche Fensterbauarten sinnvoll sind.
Für Wien typisch sind die Fenster, die äusseren Flügel nach aussen aufgehend, die inneren nach innen. Gut zu sehen ist, dass die Fensterfläche bündig mit der Fassade liegt. Erst dachte ich, ich nute Plexiglaszuschnitte und lege die Nuten mit Polystyrolstreifen aus. Das habe ich nach dem ersten Versuch verworfen, es ist zu aufwendig und obendrein unsauber.
Eine andere oft praktizierte Methode ist das einfärben der Nuten. Das Auge lässt sich leicht täuschen, es fällt nicht auf, dass die Fensterrahmen vertieft statt erhöht sind. Interssant ist vor allem die Tiefenwirkung der Nutmethode. Die zuviel aufgetragene Plakafarbe kann leicht mit einem Plexiteil abgeschabt werden. Nachteil auch hier allerdings die lange Frokelzeit, beim nächsten Haus werde ich lasergeschnitte Fensterrahmen probieren.
Die Wände werden zerschnitten, um die Fensterlöcher auszubilden, danach wieder zusammengeklebt, verschliffen und lackiert. Auf einer ebenen Unterlage werden die Teile mit Methylenchlorid angetupft, das verrint und verschweisst den Schnitt. Danach schleift man das ganze Wandtäfelchen ab. Nach der ersten Wand und einer Malprobe bin ich draufgekommen, dass es besser ist, die Wände senkrecht zu trennen, da kann man die Schnitte besser mit "runterlaufendem Schmutz" tarnen. Leider ist die ganze Bauweise recht aufwendig, wie ich feststellen muss - so werde ich wohl nicht die ganze Kulisse bauen können. Das unlackierte Haus sieht recht witzig aus, wie ein "Geisterhaus".
Als Alternative zu dieser Bauweise habe ich mir im Sommer 2005 Fassaden mit Laserstrahl schneiden lassen - gleich aus schwarzem Plexi, um die Sache von Anfang an lichtdicht zu haben. Ich dachte auch daran, die Fensterrähmchen lasern zu lassen, wurde aber enttäuscht - Polystyrol ist dafür viel zu weich, ausserdem hat die Laserfirma dickeres Material verwendet, so ist das jedenfalls nichts. Ich wollte ursprünglich die äusseren Rahmen plastisch haben, aber es ist absolut nicht praktikabel diese weichen Dinger auch noch zusammenzubauen. Unten ein Bild, wie's gedacht war und ein Vorbildfoto dieses Fenstertyps. Nun werde ich die äusseren Rahmen ätzen lassen und für die inneren Rahmen die vorhandenen Kunststoffteile verarbeiten.
Im Mai 2006 kam ich endlich dazu, mit dem Bau zu beginnen. Hier ist die Häuserzeile nun zusammengebaut und bemalt. Die Kastenfenster sind von hinten eingesetzt (rechte Bilder), die Dächer aufgesetzt. Nicht alle Fenster haben Innen- und Aussenflügel; die Stiegenhaus- und WC-Fenster haben nur einen Flügel. Einige Scheiben fehlen hier noch. Die untere Reihe zeigt schon ganz gut die trostlose Stimmung der grauen Mietskasernen, auch wenn die äusseren, geätzten Fensterflügel noch fehlen - wohnen möcht' ich hier nicht!
Hier zwischendurch ein Schnappschuss der ganzen Häuserzeile, links flankiert vom Gemeindebau, rechts von der Fabrik.
So, endlich sind die Ätzteile eingetroffen. Das ganze sieht ziemlich exakt so aus wie ich es mir vorgestellt habe, ist aber wirklich eine echte Frokelei. Übrigens: die unterschiedliche Farbe der Fensterrahmen ist vorbildgetreu, in Wien werden die Stiegenhausfenster oft anders gestrichen als die meist weissen Wohnungsfenster.
So, nun gehts an die Feinheiten. Von Busch gibts völlig abgefahrenes Grünzeugs, Rosenstöcke, Salat, Blumentöpfe... das wollte ich unbedingt verarbeiten. Da die Höfe in unterschiedlichen Höhen liegen, mussten Geländer her - typisch wienerisch, versteht sich. Hier ein Stück typisches Stadtbahngeländer, die 10 cm haben mich einige Stunden gekostet... die immerhin 17 Einzelteile wollten erst mal verlötet werden, der erste Versuch mit Superkleber war nichts. Mein Tipp: solche Sachen immer löten, geht schneller, hält besser.
Anfang Oktober 2006 wurde der Bauteil nun endlich äusserlich fertig. Hier sind die Fotos:
Verwandtes Thema: Fotos des fertigen Modells
Es hat geschlagene 5 Jahre gedauert, bis ich endlich dazu komme, die Häuser fertigzubauen. In der Zwischenzeit waren andere Projekte vorrangig, abgesehen davon konnte ich 2011 die Anlage endlich vergrößern und neu anordnen. Nun renoviere ich der Reihe nach die alten Elemente. Was von Anfang an geplant war: Die Häuser zu beleuchten (deswegen habe ich sie ja auch aus schwarzem Plexi gebaut). Nun erhalten sie ihre Zimmerchen - und zwar ziemlich viele. Einige davon sind beleuchtbar, natürlich soll das nächtliche Bild ebenfalls der Realität entsprechen.
Eine spezielle Herausforderung war das Stiegenhaus - eines davon sollte ebenfalls beleuchtet werden, und da man da gut reinsieht, war eine Treppe gefragt. Ich habe als Konstruktionshilfe ein Halbrundholz für das sog. "Auge" genommen und die Stufen einzeln verklebt. Danach alles fest mit Methylenchlorid getränkt - so verschmelzen die einzelnen Plättchen miteinander. Dann wurde das ganze per Schleifscheibe an das Polygon der Fassade angepasst. Zusammenkopierte Fotos sorgen für einen sinnvollen Hintergrund mit den Wohnungstüren.
Mit der kleinen Ixus sind mir auf die Schnelle keine wirklich guten Fotos gelungen, aber das ganze sieht in Echt sehr überzeugend aus - das Stiegenhaus und die Wohnungen haben Tiefe und wirken absolut räumlich.
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© Harald A. Jahn 2005-2011, letzte Änderung 12.11.2011 - www.tramway.at