Luxus für Luxemburg: Die Luxtram ist State of the Art


2019: Die Großbaustelle der Straßenbahn – die Linie wird seit 2017 in Etappen eröffnet – erreicht die Innenstadt, massive Einschränkungen beim MIV lassen die Wogen hoch gehen. „Da muss man durch!“, meint Paul Hoffmann, Vizepräsident von Luxtram AG und Direktor der Abteilung Mobilität der Stadt Luxemburg, den ich zum Gespräch treffe. „Luxemburg hat einen enorm hohen Motorisierungsgrad, nur sieben oder acht Prozent der Haushalte besitzen keinen PKW, und die Autolobby ist stark!“. Der Blick aus dem Bürofenster – die technische Verwaltung liegt zentral, nahe am Hauptbahnhof - unterstreicht die Situation: Nur wenige hundert Meter vom dicht besiedelten Stadtbereich entfernt dehnt sich vorstädtische Bebauung aus. „Der Übergang von Stadt zu Land ist hier abrupt, und die Bewohner der Einfamilienhäuser haben alle ein oder zwei Autos in der Garage stehen. Zu den 118.000 Einwohnern kommen noch 150.000 Einpendler, dem entsprechend ist auch die Verkehrssituation in der Innenstadt.“
Die Topografie der Altstadt ist außergewöhnlich, das Zentrum wird von einem tief eigeschnittenen Flusstal umgeben, die Geländestruktur wurde ab dem 16. Jahrhundert für den Bau massiver Befestigungsanlagen genutzt. Durch diese „Insellage“ konzentriert sich der Verkehr zwischen der Unterstadt mit dem Bahnhof und dem Zentrum auf zwei Achsen, wobei die größere den Fluss über die historische Adolphe-Brücke quert.
Bis in der Stadt wieder Schienen gelegt wurden (die alte Tramway wurde 1964 eigestellt), war es daher ein weiter Weg. 2014 wurde ausgeschrieben, das Französisch-Luxemburgische Konsortium suchte die Anbieter für Infrastruktur, Straßenflächen, Züge, Oberleitung etc. separat, der Bau wurde von Luxtram koordiniert. Schon im Dezember 2017 konnte das erste Teilstück am „Kirchberg-Plateau“ eröffnet werden – hier konzentrieren sich zahlreiche Banken, Behörden sowie EU-Institutionen. Zusammen mit der Straßenbahn wurde auch der Bahnhof Pfaffenthal-Kirchberg an der Strecke zum Hauptbahnhof eröffnet; wegen seiner tiefen Lage im Tal verbindet ihn eine ebenfalls neue Standseilbahn mit dem Plateau und der Tram.
Für den Bau der Straßenbahn wurden die beiden Hauptachsen zwischen Bahnhof und Altstadt für den IV weitgehend stillgelegt, hier waren vorher Unmengen von Bussen unterwegs. „Die Menschen sollen verstehen, dass es keinen Sinn hat, mit dem PKW in die Altstadt zu wollen!“, erklärt Herr Hoffmann. Der Bau der Straßenbahn erfolgt nach französischem Muster: Neugestaltung des gesamten Straßenraums von Fassade zu Fassade. „Durch die große Baustelle verstehen die Menschen die Straßensperren, sie gewöhnen sich an die Situation, und später werden die Flächen dem Autoverkehr einfach nicht mehr zurückgegeben.“
Bei den Fahrzeugen entschied man sich für 2,65 Meter breite Urbos 3 des spanischen Herstellers CAF. Die Gestaltung der 32 Wagen, die eine eigene Luxemburgische Identität erhalten sollten, stammt von der Lyoner Firma Avant-Premiere, die auch die Straßenbahnen von Nizza, Dijon/Brest, Besancon oder St-Etienne entworfen hat; so sollen zum Beispiel die runden Formen der Kopfmodule an die Bögen der Adolphe-Brücke erinnern. Die Farbgestaltung stammt von Michel Leonardi, die bunten Türen orientieren sich am Luxtram-Logo und bringen tagsüber lebendige Farben in den Zug, nachts machen sie ihn zu einem glitzernden Regenbogen. Es soll aber nicht bei dieser ersten Linie bleiben: Verbindungen in die westlichen Entwicklungsgebiete sind vorgesehen, eine Schnellstraßenbahn in die südliche Agglomeration um Esch entlang der Autobahn A4 ist in Überlegung.
Fachartikel: Luxus für Luxemburg (Forum Mobil 2019, PDF)
Alle Bilder zur Straßenbahn Luxembourg (2019)
Überlegungen zur weiteren Netzentwicklung
Gleisplan
Tramway in Luxembourg (offizielle Seite, deutsch)
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Letzte Änderung: 18.8.2025