Straßenbahn in Liège / Lüttich

Die Region Wallonien ist vom Rückzug der Kohle- und Stahlindustrie geprägt, das wirtschaftliche Zentrum Belgiens liegt heute im Norden, in Flandern. Finanzausgleichszahlungen von Nord nach Süd haben dazu geführt, dass in Liège eine Metro gebaut werden sollte; deren Bau wurde aber nach 800 Tunnelmetern aufgegeben, die Mittel flossen dann in ein weit überdimensionierte Premetro-Projekt in Charleroi. In Liège hat der Strukturwandel Flächen für die Stadtentwicklung frei gemacht, die für Wohn- und Kulturbauten neu genutzt werden. Um den Neubau des Gare des Guillemins, ein Leuchtturmprojekt von Santiago Calatrava, entstanden neue Bürobauten mit dem Finanzturm als Blickfang.
Das neue Straßenbahnprojekt wurde bereits 2011 beschlossen, nach der Planfeststellung 2014 sollte die Linie eigentlich 2018 in Betrieb gehen. Etliche finanzielle und bautechnische Probleme verschoben die Inbetriebnahme immer wieder. 400 mio € hat das Gesamtprojekt verschlungen, ein Betrag, der durch besseres Finanzierungsmanagement wohl geringer hätte sein können. Der chaotischen Bauführung sind auch die Verlängerungsstrecken zum Opfer gefallen: Die Ausweitung des Vertrags auf diese Streckenteile wurde abgelehnt. Ende April 2025 konnte die Bevölkerung endlich ihre Straßenbahn in Besitz nehmen. Seither befahren 20 CAF-Urbos die knapp 12 km lange Strecke.
Die Einbindung in die historische Stadt, die Anpassung an die lokalen urbanen Traditionen lassen die Strecke wirken, als wäre sie schon immer da gewesen. Auffallend ist besonders das stark strukturierte Straßenpflaster, das beibehalten und auch in den Stationen verwendet wurde – in Europa wird die Barrierefreiheit ganz unterschiedlich interpretiert.
Anders als in Frankreich üblich wurde der Autoverkehr nicht allzusehr zurückgedrängt. Zahlreiche Parkgaragen im Stadtzentrum ziehen den MIV weiter in die Altstadt, auch ein großer Parkplatz in zentraler Lage wirkt seltsam inkonsequent. Allerdings wurde eine Allee ausgeräumt, nun verkehrt dort die Straßenbahn auf Rasengleis, eine elegante Lösung, auch wenn seitlich je zwei Fahrstreifen verblieben sind.
Die Fahrzeuge ähneln denen in Luxembourg, sind allerdings weniger extravagant designed. Die Breite von 2,65 ergibt einen großzügigen Innenraum.
Ob die Linienverlängerungen jemals kommen ist ungewiss; die Stadt setzt nun eher auf Busways als Anbindung. Eine zweite Linie ist aufgrund der bandförmigen Stadtstruktur nicht vorgesehen.
Fachartikel: Tramways à la Française werden zum weltweiten Exportschlager
Alle Bilder zur Straßenbahn Liege (2025)
Das Design der neuen Linie stammt von Architekturbüro Richez Associes
Tramway in Liège (offizielle Seite)
zur Startseite / Navigationsframe nachladen
Copyright Harald A. Jahn / www.viennaslide.com
Letzte Änderung: 18.8.2025